| Die Wolkenbilder, die ich in Pastellkreide-Technik
male, stellen für mich innere Sichten, innere Zustände dar und sind
kaum Abbild der Natur. Sie dienen mir als Kommunikationsmittel. Sie beginnen
dort zu wirken, wo die Sprache ihre Grenzen hat. Ihre Wirkung ist
vielschichtig. Zum einen sind die Wolken, die sich in den meisten Bildern
aufzulösen und neu zu formen scheinen, Sinnbild für den Fluss des
Lebens. Wer sich diesem Fluss hingeben kann, wird von ihm getragen. Und so
entfalten die Pastelle eine entspannende Wirkung, die als Gegenpol zum oft
stressigen und kopflastigen Alltag im Gefühl wohltuend erfahren wird.
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Zum anderen geben mir die Wolkenbilder die
Möglichkeit, ein für mich zentrales Thema, die Transformation auf
verschiedenen Ebenen, sinnfällig zu machen. Meine Malerei lässt den
Betrachter die subtilen Übergänge vom Sichtbaren zum Unsichtbaren
sinnlich erfahren.
Und noch etwas veranlasst mich seit zwanzig Jahren,
immer wieder Wolkenbilder zu malen. Es ist meine tiefe Beziehung zu der Farbe
Blau. Mit dem Blau des Himmels hat es eine ganz eigenartige Bewandtnis. Das
Himmelblau ist tagsüber immer da; in unseren Breitengraden oft von Wolken
bedeckt, aber man weiss, über dem Gewölk strahlt der blaue Himmel.
Der blaue Himmel ist unerreichbar. Die Menschen können ihn nicht
manipulieren. Mögen sie der Erde und sich selbst noch so schwere Wunden
zufügen; er wölbt sich wie eh und je über sie. Der Blick zum
Firmament lässt die Unendlichkeit des Kosmos erahnen. Das Auge sieht das
Himmelsgewölbe blau. Aber es ist keine kompakte Farbe, nein, sie ist
durchscheinend und zart, kaum vorhanden und doch kraftvoll. Die Darstellung
dieser Transparenz voller Energie, die zum Symbol für etwas Grösseres
wird, ist für mich immer wieder eine grosse
Herausforderung.
Hans-Peter Rieder |